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2011-02-25

Die zweite Stammstrecke: schlecht für München

Anmerkung: Überzeugt von den untenstehenden Argumenten? Dann bitte weitererzählen!

Update 2011-08-09:S-Bahn: Das Aus für die zweite Stammstrecke!”. Bei der Lektüre genau darauf achten, wer gegen den Abbruch des Projekts protestiert.

Ich war vorgestern auf einem Vortrag über die zweite münchner Stammstrecke, gehalten von Martin Runge, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag. Da bei diesem Thema Parteiinteressen eine relativ geringe Rolle spielen (OB Ude ist für die zweite Stammstrecke, ebenso die Staatsregierung), war ich mir relativ sicher, objektiv informiert zu werden. Dieser Blogeintrag ist meine Mitschrift des Vortrags. Als Münchner ist es wichtig, die folgenden Tatsachen zu kennen, denn momentan besteht noch die Möglichkeit, die zweite Stammstrecke zu verhindern und die in vielerlei Hinsicht bessere Alternative des Südrings zu ermöglichen. Zusammenfassung: Die zweite Stammstrecke ist weit teurer, als wir uns momentan leisten können, bringt erstaunlich wenig, und würde erst sehr spät fertig werden.

Grundlage der Entscheidung für die zweite Stammstrecke und gegen den Südring war ein vergleichendes Gutachten, auf das im folgenden mehrmals Bezug genommen wird.

Argumente gegen die zweite Stammstrecke (2. Ststr.).
  • Nutzen-Kosten-Faktor falsch gerechnet: Das vergleichende Gutachten macht viele falsche Annahmen, z.B. was den Autoverkehr in die Innenstadt anbelangt. Außerdem wurden einige Punkte aus Kostengründen wieder aus dem Vorschlag gestrichen, werden aber immer noch als Vorteile gewertet.
  • Zu teuer, mit negativen Konsequenzen fürs Umland: Selbst wenn man das Gutachten beim Wort nimmt, würden die Kosten bedeuten, dass Geld aus dem gesamten Bayern abgezogen wird und u.a. nicht mehr für wichtige Projekte in Münchens Vororten zur Verfügung steht, wie dem Ausbau der S-Bahn.
  • Bringt Verschlechterungen: Um die Kosten für die 2. Ststr. niedrig zu halten, wird es auf einigen Linien Taktverschlechterungen geben. Dafür werden Express S-Bahnen hinzugenommen.
  • Verminderte Qualität: Im Laufe der Planungen wurde klar, wie teuer alles werden würde. Folglich wurde bei Qualität und Sicherheit gespart.
    • Weniger Haltestellen als ursprünglich geplant.
    • Riskante Einsparungen bei der Sicherheit (lange, enge, komplizierte Fluchtwege, Löschpunkte sind nicht dauernd mit Wasser versorgt, keine automatische Rauchabführung, etc.). Es muss tiefer gegraben werden, als ursprünglich gedacht, was die Sicherheitsbedenken erhöht.
  • Bau wird sehr lange dauern: Gerade beim Bauabschnitt Haidhausen gibt es viele Unwägbarkeiten, sowohl rechtlicher, als auch bautechnischer Natur. Momentane Schätzungen gehen von einem Bauende um 2034 aus, wenn nicht später. Selbst wenn Unterstützer der Stammstrecke sie für Olympia 2018 (so es denn kommt) fertig sehen wollen, dann geben sie zu, dass das ein “ehrgeiziges Ziel” sei. Klartext: nicht realistisch.
  • Entlastung auf der Stammstrecke anders lösbar: Der Einsatz von Langzügen würde genügen, dafür ist aber momentan kein Geld da. Hauptproblem ist die große Zug-Anzahl die Münchens Westen benötigt, während die 2. Ststr. auch dem Osten hohe Kosten zumuten würde. Das Nadelöhr Laim-Pasing würde nicht aufgehoben.
  • Nicht immer effektiv als Puffer im Störfall: Ein anfälliger Punkt am Ostbahnhof ist vor der Abzweigung der 2. Ststr. Wenn dort also etwas passiert, sind beide Stammstrecken unbenutzbar.
  • Wenig Verbesserung bei der Flughafen-Anbindung.
  • Verliert an Rückhalt: Die 2. Ststr. hat in Berlin wenig Befürworter, viele münchner Verbände sind dagegen, in diverse Gremien hat sich die Stimmung geändert.
  • Es gibt eine Lobby für die 2. Ststr.: Diese besteht u.a. aus Bauunternehmen und hat wohl Einfluss auf das Gutachten genommen.
Gründe für den Südring.
  • Städtebaulich sinnvoll, um Druck vom Stadtzentrum zu nehmen und die Attraktivität anderer Gebiete zu erhöhen.
  • Kostengünstig: Sogar billiger als vom Gutachten geschätzt. Es gibt zudem abgespeckte Versionen, die noch weniger kosten.
    • Finanzierung: Es gibt mehrere Töpfe, aus denen finanziert werden könnte, da auch Fernverkehr involviert ist.
  • Verkehrsplanerisch sinnvoll: Eine echte Nahverkehrstangente ist wichtig für München. Jede andere größere deutsche Stadt hat eine.
  • Zustimmung bei den Betroffenen: Alle relevanten Bezirksausschüsse haben sich für den Südring ausgesprochen. Im Gegensatz zu Haidhausen (bei der 2. Ststr.) haben die Anwohner zwei klare Vorteile: Bessere Nahverkehrserschliessung und besserer Lärmschutz (der bei einem Ausbau erstmals rechtlich notwendig wird).
Was kann man als münchner Bürger tun? Jetzt ist eine gute Zeit, um zu verhindern, dass weiter Geld für die 2. Ststr. ausgegeben wird.
  • Teilnehmen an der öffentlichen Diskussion.
  • Schreiben an die Abgeordneten (Kommune, Land, Bund), damit sie die Stimmung der Wähler mitbekommen.
  • Schreiben an Münchens Oberbürgermeister, Christian Ude.
Vergleich: Zweite Stammstrecke versus Südring.
Beide Netzpläne sind der Wikipedia-Seite zur S-Bahn München entnommen. Man beachte, dass mit dem Südring das Netz vielseitiger wird.
Zweite Stammstrecke. [Quelle]
Südring. [Quelle]
Material:
  1. Nahverkehr – Viele Fahrgäste, wenig Züge” [Der Ausbau der S4 nach Buchenau wird aufgeschoben, u.a. wegen der Kosten für die zweite Stammstrecke.]
  2. Zweite Stammstrecke zuerst - S-4-Ausbau muss zurückstehen”. Die Überschrift sagt bereits alles. Zitat, bezugnehmend auf Vorschläge, die S4 auszubauen:
    Göttler und der MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag lehnten die Vorschläge als "Klein-Klein" (Freitag) ab. "Wir müssen geschlossen für den Quantensprung im S-Bahn-System kämpfen", verlangte Göttler.
Verwandter Blog-Eintrag:
  1. München: Wir brauchen dezentrale Entwicklung

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